Wieder einmal Norwegen, doch diesmal war ich (Jannik) alleine unterwegs, vom 10. bis zum 24. Juni. Und diesmal ging es weiter in den Norden – in die Region um den nördlichen Polarkreis, ungefähr 70 km südlich der Inselgruppe Lofoten (mehr Infos). Schneebedeckte Berge, zahlreiche grüne Inseln und der weite Fjord inmitten der Einsamkeit dieser wunderschönen Region. Eine etwas andere, aber trotzdem wunderschöne Tour.

Wieso alleine? Ein Haus 70 km südlich der Lofoten!

Wahrscheinlich habt ihr euch direkt gefragt, wieso ich diesmal alleine in Norwegen unterwegs war. Habt ihr nicht? Auch egal, ich erzähle es euch trotzdem:

Nur zwei Wochen nach unserer gemeinsamen Norwegen-Tour ging es für mich wieder in mein Lieblingsland – zur alljährlichen Angeltour nach Åmøyhamn. Ein winziges Örtchen mit geschätzt 50 Einwohnern. Oder vielleicht doch nur 20? Ich weiß es nicht genau. Ich weiß aber, dass es dort wunderschön ist. 70 km südlich der Lofoten und fernab von jeglicher Zivilisation, hat man dort oben wirklich noch seine Ruhe. Tourismus gibt es quasi nicht. Wie kommt es also, dass ich mich dorthin verirre? Der Grund ist einfach: Ein Bekannter besitzt schon seit vielen Jahren ein Ferienhaus dort oben. Mit acht Jahren habe ich dort meinen ersten Sommerurlaub verbringen dürfen. Und seit drei Jahren bin ich alt genug, um mit auf Männertour zu fahren. 6 Männer, 14 Tage, 324 Dosen Bier, 1 Fjord und unzählige Fische – was ein Erlebnis!

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Eine ziemlich lange Fahrt

Mit ca. 2800 km ist die Fahrt jedoch ziemlich anstrengend und kostet viel Geduld, Nerven und Ausdauer – und wir reden hier von nur einer Strecke. Aber sie lohnt sich! Normalerweise mieten wir uns jedes Jahr einen Sprinter, um nur mit einem Auto zu fahren und so Kosten für Benzin, Fähre und Mautgebühren zu sparen. Außerdem ist die Fahrt zu sechst im Auto viel lustiger und wir können den Fahrer öfter wechseln. Dieses Jahr gab es jedoch ein paar Komplikationen und wir waren gezwungen mit zwei Autos zu fahren.

fahre-dänemark-lofotenGestartet wird mitten in der Nacht um 2 Uhr. Das erste Zwischenziel ist Puttgarden auf der Insel Fehmarn. Dort setzt die erste Fähre nach Rødby in Dänemark über – 45 Minuten Kaffeepause. Die zweite Fähre fährt zwischen Helsingør (Dänemark) und Helsingborg (Schweden) und braucht nur 20 Minuten. Von da aus fahren wir erst mal eine ziemlich lange Zeit durch Schweden – denn dort ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit höher als in Norwegen – bis wir am Abend unser Nachtlager in Sundsvall erreichen. Die Nacht verbringen wir in einer kleinen Hütte, damit wir die restlichen 1100 km am nächsten Tag ausgeruht angehen können.

Der zweite Teil der Hinfahrt dauert deutlich länger, da die Straßen schmaler und kurviger werden, ist dafür aber auch viel schöner zu fahren. Kleiner Tipp: Beachtet auf jeden Fall die erlaubte Höchstgeschwindigkeit! Die leeren Straßen sind gut ausgebaut und laden zwar zum Heizen ein, aber so schont ihr, im Gegensatz zu uns, euren Geldbeutel… Und so ein Knöllchen in Schweden oder Norwegen ist teuer. Verdammt teuer!

Etliche Kurven, Seen und Wälder später, überqueren wir die Grenze zwischen Schweden und Norwegen. Je nördlicher wir kommen, desto mehr Rentiere begegnen uns. Die nächste Fähre von Kilboghamn nach Jektvik ist ein Highlight. Denn mit ihr passieren wir den nördlichen Polarkreis. Dort geht die Sonne zur Zeit der Sommersonnenwende nicht unter – das Phänomen Mitternachtssonne. Von Jektvik sind es nur noch ungefähr 50 km bis zu unserem Ziel. Eine letzte kleine Fähre bringt uns auf die Insel, auf der das Haus liegt – mitten im Nirgendwo.

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Nur eine Wanderung, aber jede Menge Fisch

Leider konnte ich dieses Jahr nicht so viele Wanderungen machen wie ich es mir vor dem Urlaub vorgenommen hatte. Wir hatten ziemlich viel Pech mit dem Wetter und Regen, Hagel und Temperaturen um die 8° C. Die Wolken standen sehr tief in den Bergen. Eine Wanderung hätte bei diesem Wetter nicht viel Sinn gemacht, weil ich kaum etwas gesehen hätte. Außerdem ist dieser Urlaub primär immer noch ein Angelurlaub, sodass ich, wenn denn mal einigermaßen gutes Wetter war, mit auf See gefahren bin. Das war natürlich auch wunderschön, denn ich angele sehr gerne und Angeln gehört natürlich auch zum Outdoorlife dazu. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass wir jeden Tag auf Fisch angewiesen sind, da wir jeden Tag Fisch essen. Heißt also: Kein Fisch – kein Essen! Aber zum Glück gibt es in unserem Hausfjord genug davon, sodass wir alle überlebt haben. Hier ein „kleines“ Beispiel:

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Für eine Wanderung hat es am Ende dann doch gereicht, aber leider nur bei schlechtem Wetter und wenig bzw. gar keiner Sicht. Ich habe mir den höchsten Berg der Insel Åmøy ausgesucht, den Risnestinden (648 m). Wanderkarten oder Wegweiser gibt es in dieser Region nicht. Aber es führt ein schmaler Pfad den Gipfel hinauf und die sogenannten Steinmännchen haben den Rest erledigt. Ich bin froh, dass die kleinen Steinhäufchen auf dieser Wanderung noch sehr gut erhalten sind. So konnte ich mich gar nicht verlaufen, vielen Dank dafür!

Alleine und verloren im Nebel

Insgesamt war ich sechs Stunden auf dieser Wanderung unterwegs und sie war trotz der schlechten Sicht ein geiles Erlebnis. Der Pfad führte zunächst auf ein großes Plateau, das voll mit Moos bewachsen war. Auf dem Plateau lag ein kleiner See, etwas abseits des Weges. Danach ging es durch einen kleinen Wald hindurch bis ich eine riesige Felslandschaft erreichte – es erinnerte mich stark an Mittelerde aus Herr der Ringe. Dort lief es sich sehr angenehm und die Aussicht war hier schon traumhaft schön! Etwas weiter unterhalb war ein weiterer See, etwas größer diesmal.

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Dann erreichte ich eine Stelle, an der das Wandern in das Klettern überging. Es wurde auf einmal ziemlich steil und es dauerte nicht lange bis ich die Wolkendecke erreichte. Von jetzt an konnte ich die traumhafte Landschaft unterhalb von mir leider nicht mehr erkennen. Aber der Nebel und die rauen Felsen hatten ihre ganz eigene mystische Stimmung und irgendwie mochte ich es. Es dauerte nicht mehr lange bis ich schließlich den höchsten Punkt der Insel erreicht hatte.

Nebel-lofotenOben angekommen, war die Sicht leider immer noch schlecht. Schade, denn von hier oben kann man bei guter Sicht bis zu den Lofoten gucken. Ich beschloss eine kleine Pause einzulegen in der Hoffnung, dass das Wetter evtl. noch aufklaren würde. Das kann in dieser Region nämlich von jetzt auf gleich passieren. Nach einer halben Stunde war es leider immer noch nebelig und gefühlt zog es sich weiter zu. Also machte ich mich wieder auf den Weg nach unten bevor es noch schlimmer werden würde.

Als ich wieder im Auto saß und zurück zum Haus fuhr, fiel mir auf, dass ich die kompletten sechs Stunden auf der Wanderung alleine war und keinen einzigen Menschen gesehen habe. Trotz des starken Nebels und der schlechten Sicht war es eine unglaublich geile Wanderung! Und es war nicht nur eine geile Wanderung, sondern wieder einmal ein verdammt geiler Urlaub!

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