Wer sich für Natur, Trekking und Outdoor interessiert, hat sicherlich schon mal etwas vom Preikestolen in Norwegen gehört: Eine natürliche Felsplattform, deren Kante 604 Meter senkrecht in den Lysefjord abfällt (Genaueres findet ihr hier). Ein beliebtes Wanderziel für Outdoorbegeisterte und mittlerweile (leider) auch für Touristen aus aller Welt. So machten auch wir uns auf den Weg nach Fjordnorwegen, um dieses einzigartige Naturhighlight zu bestaunen. Wie wir unsere Tour geplant haben, was man für so eine Tour nach Norwegen alles braucht und was wir außerdem noch erlebt haben, erfahrt ihr jetzt!

Die Idee

Die Idee, oben auf dem Preikestolen in 604 Meter Höhe zu stehen und auf den wunderschönen Lysefjord zu blicken, war schon immer in unseren Köpfen. Doch ihr kennt das: Man nimmt sich was vor und will es unbedingt durchziehen, aber schiebt es immer wieder vor sich hin.

So war es bei uns NICHT!

Auf dem Eifelsteig im April haben wir Blut geleckt und wollten mehr Natur erleben. Die nötige Ausrüstung hatten wir durch unsere zwölf tägige Tour durch die Eifel auch zusammen, sodass einer weiteren Tour nichts mehr im Wege stand. Zeit dafür hatten wir auch genug – wir sind Studenten und die haben bekanntlich immer Zeit.

preikestolen

Die Frage, wohin die nächste Tour geht, hat sich gar nicht gestellt, da es sofort klar war: Jannik war schon des öfteren in Norwegen und hat sich sofort in das Land verliebt. Allerdings war er noch nie in Südnorwegen, sondern immer weiter oben in der Region um den Polarkreis zum Angeln. Thomas hingegen war noch nie zuvor in Norwegen und „das kann ja nicht angehen“, dachte sich Jannik und schon stand die Idee.

Die Planung

Ehrlich gesagt hielt sich die Planung stark in Grenzen und wurde nicht nur einmal über den Haufen geworfen (dazu später mehr). Innerhalb von zwei Stunden hatten wir die gesamte Tour „geplant“. Das lief dann ungefähr so ab:

Jannik: Welcher Zeitraum passt dir am besten?
Thomas: 23. Mai bis 26. Mai?
Jannik: Passt!
Thomas: Wie kommen wir hin?
Jannik: Wir brauchen auf jeden Fall ein Auto und müssen mit der Fähre fahren… Ich frag mal meine Eltern und buch die Fähre schon mal.
Thomas: Alles klar, dann können wir ja starten!

Damit stand zumindest schon mal der grobe Rahmen fest. Wir hatten uns dazu entschlossen, unseren gesamten Proviant in Deutschland zu kaufen und mitzunehmen. Wer schon mal in Norwegen war, der weiß wie teuer Lebensmittel dort sind und da wir mit dem Auto unterwegs waren (an dieser Stelle danke nochmal an Janniks Eltern), konnten wir alles problemlos im Kofferraum verstauen – easy! Natürlich mussten wir noch klären, was wir an welchem Tag machen wollen. Aber das dauerte nur eine kurze Skype-Session und schon stand der Plan und er sah wie folgt aus…

Der eigentliche Plan: Dienstag bis Freitag

faehre-abfahrt-preikestolen

Ursprünglich wollten wir am Dienstag um 15 Uhr die Schnellfähre in Hirtshals (Dänemark) nehmen, um schon um 17:30 Uhr in Kristiansand (Norwegen) zu sein, damit wir in Norwegen noch genug Zeit haben, um uns einen schönen Ort zum Übernachten zu suchen. Wir hatten geplant, die Nächte im Zelt zu verbringen und auf teure Ferienwohnungen zu verzichten – durch das Jedermannsrecht in Norwegen gar kein Problem. Wir hatten bei der Suche nach dem Schlafplatz also alle Freiheiten dieser Welt und mussten nicht zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein – besser geht es doch gar nicht!

Am nächsten Tag, dem Mittwoch, stand mit dem Kjerag das erste Highlight auf unserem Plan. Geil! Da das ja noch nicht genug ist, wollten wir noch am selben Tag mit der Fähre auf die andere Seite des Fjords fahren, um gegen Abend auf den Preikestolen zu steigen und dort die nächste Nacht zu verbringen. Noch geiler! Damit hätten wir „die großen Drei“ (Kjerag, Preikestolen, Lysefjord) abgehakt – check!

Den Donnerstag haben wir uns bewusst offen gelassen und nichts konkretes geplant. Je nach Lust und Laune evtl. noch eine kleine Wanderung in der Region oder bei schlechtem Wetter eine Besichtigung der viertgrößten Stadt Norwegens Stavanger. Am Freitag Mittag um 12 Uhr sollte die Fähre uns ganz gemütlich von Kristiansand zurück nach Hirtshals bringen und von da aus sollte es wieder zurück nach Hause gehen.

Hirtshals-abfahrt-preikestolen

Das war die grobe Planung für die Tour. Doch wie bereits erwähnt, wurde die Planung nicht nur einmal über den Haufen geworfen. Wie heißt es so schön? Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!

Die Tour

Das Leben wäre doch viel zu langweilig, wenn immer alles nach Plan laufen würde. Das dachte sich auch die Reederei Fjord Line, mit der wir von Dänemark nach Norwegen übersetzen wollten. Ungefähr eine Woche vor Abfahrt bekam Jannik den Anruf, dass unsere gebuchte Fähre aus technischen Gründen ausfällt und wir uns um Ersatz bemühen müssen. Nach ein paar Telefonaten mit einem norwegischen Mitarbeiter, der übrigens sehr nett war, hatten wir eine neue Fähre gebucht. Es gab da nur ein kleines Problem: die neugebuchte Fähre sollte erst um 19:30 Uhr in Hirtshals ablegen (geplant war 15:00 Uhr) und vier Stunden später um 23:30 Uhr in Kristiansand ankommen (geplant war 17:30 Uhr). Aber wir waren einfach nur froh, dass wir überhaupt noch Ersatz gefunden haben. Die Tour konnte also starten!

Im Party-Auto auf der A1 – Die Hinfahrt

Hinfahrt-Norwegen-preikestolen

Der Vorteil der späteren Fähre war natürlich, dass wir auch erst später von zuhause losfahren mussten. Um 8:30 Uhr am Dienstagmorgen ging es gemütlich – mit Kaffee und Schnitzelbrötchen ausgerüstet – Richtung Dänemark. Ungefähr 900 km Fahrt lagen vor uns bis zur Nordspitze Dänemarks – ein Katzensprung! Thomas sorgte mit einer extra für die Tour erstellten Playlist für musikalische Ergötzung: Helene Fischer, Die Toten Hosen, das Beste der 80er und sogar Mickie Krause – ein Leckerbissen! So ging die Fahrt schnell um und selbst die Vollsperrung auf der A1 kurz vor Hamburg konnte uns nicht aufhalten. Ein kurzer Blick auf’s Navi, ein paar Handgriffe und schon hatte Thomas, der DJ, Kameramann, Versorger und Navigator in einem war, uns eine neue Route gezaubert, mit der wir die Sperrung umfahren konnten – Gott sei Dank!

Pünktlich um 18 Uhr erreichten wir den Hafen in Hirtshals, das erste Zwischenziel unserer Reise. Mit den restlichen Schnitzelbrötchen und ’ner Büchse Bier bewaffnet ging es auf die Fähre – erst mal vier Stunden chillen und den Sonnenuntergang genießen! Während der Fahrt durchstöberten wir die Infobroschüren, um uns ein mögliches Ausflugsziel für den Donnerstag auszusuchen, den wir uns ja bewusst freigelassen haben. Um halb zwölf in der Nacht erreichten wir dann pünktlich Kristiansand in Norwegen. Die Dunkelheit erschwerte uns die Suche nach einem Schlafplatz enorm und wir entschieden uns dazu, noch ein Stück weiter zu fahren und dann irgendwo auf einem Parkplatz im Auto zu schlafen.

Eine geile, aber anstrengende Wanderung – Der Kjerag

Nach einer sehr kurzen und eher unbequemen Nacht im Auto ging es für uns weiter Richtung Kjerag! Aber von Müdigkeit war keine Spur, denn die Vorstellung in ein paar Stunden auf einem 5 m³ großen Felsen zu stehen, der in einer Felsspalte 1000 m über dem Lysefjord schwebt, hielt uns wach! Schon die Fahrt zum Parkplatz am Fuße des Kjerags war ein absolutes Highlight. Auf einer schmalen Straße, die von meterhohen Schneewänden umgeben war, bahnten wir uns den Weg durch den Nebel, bis wir endlich den Parkplatz erreichten.

Kjerag-ausblick-lysefjord-preikestolen

Das Wetter hätte besser sein können, doch ein Norweger, der sowas wie der Parkplatz-Officer war, versicherte uns, dass es gegen mittag aufklaren würde. Wir konnten es aber nicht länger abwarten und machten uns schon um 9 Uhr auf den Weg. Die Wanderung würde etwa zwei Stunden dauern und da wir abends noch auf den Preikestolen wollten, hatten wir ein bisschen Zeitdruck. Bei Nebel und Regen gingen wir also auf eine der geilsten Wanderungen, die wir je gemacht haben – da waren wir uns einig! Gut, dass Jannik seine Regenjacke zuhause vergessen hatte… Besser, dass Thomas noch eine zweite Regenjacke dabei hatte!

Anfangs ging es permanent hoch und runter. Zum Glück gab es an jedem Hang Eisenketten, denn auf den nassen Felsen hatte man selbst mit guten Wanderschuhen nur wenig Halt – kaum vorzustellen, dass Menschen mit Turnschuhen da hochlaufen, aber jedem das Seine… Nach ein paar Orientierungsproblemen im Nebel inmitten der riesigen Schneefelder waren wir die ersten, die den ominösen Stein entdeckt haben.

kjerag-selfie-preikestolen

Bei dem schlechten Wetter und einer Sichtweite von gefühlt 10 Metern war es leider ein bisschen ernüchternd. Kaum vorzustellen, dass wir an einer Kante standen, die 1000 m senkrecht in den Lysefjord hinunter ragt. Kurz noch das obligatorische Selfie geschossen und einen Schluck aus dem Flachmann genommen und schon ging es wieder zurück zum Parkplatz.Auf dem Rückweg wurden wir dann doch noch belohnt und es klarte ein wenig auf – eine fantastische Aussicht, aber auf den Stein hätten wir uns so oder so nicht gestellt, da es viel zu gefährlich gewesen wäre.

Ganz alleine am Preikestolen – eine Seltenheit

Am Parkplatz angekommen, machten wir uns direkt auf den Weg nach Lysebotn, einem kleinen Örtchen am Ende des Lysefjords. Von dort aus fuhren wir mit der Fähre auf die andere Seite des Fjords nach Forsand – eine wirklich traumhafte Überfahrt.

Lysefjord-preikestolen

Um ca. 17 Uhr erreichten wir den Parkplatz am Preikestolen. Kurz die nötigsten Sachen für eine Übernachtung zusammengepackt und los ging es! Der zweite heftige Aufstieg am selben Tag und das merkten wir durchaus in den Beinen. Doch die Wanderung und vor allem das mittlerweile schöne Wetter entschädigten jeden Schmerz! Und dann war es soweit. Wir liefen über eine letzte Bergkuppe und da war er, der Preikestolen – ein geiles Gerät!

Vielleicht der schönste Moment unserer gesamten Tour, denn wir waren vollkommen alleine und das kommt heutzutage echt selten vor.

Nach einem kleinen Fotoshooting und ein paar Augenblicken der Ruhe, suchten wir uns einen geeigneten Platz für unser Zelt. Etwas abseits des Weges auf einem kleinen Grünstück wurden wir fündig. Eine heiße Nudelsuppe und ein paar Dosen Bier im Sonnenuntergang rundeten diesen wunderschönen Abend perfekt ab. Das Gefühl, einzuschlafen und am nächsten Morgen direkt neben dem Preikestolen aufzuwachen, war unbeschreiblich gut!

Eine angenehme Überraschung

Am nächsten Morgen (Donnerstag) wollten wir relativ zügig zurück zum Parkplatz, bevor uns die ganzen Touristen entgegenkommen. Also kurz Kaffee gekocht und ein Honigbrot geschmiert, das Zelt abgebaut, noch einmal das Gerät von Preikestolen bestaunt und ab nach unten. An die fragenden Blicke der anderen Touristen hatten wir uns schon am Vortag gewöhnt. Kommt bei dieser Wanderung wohl doch nicht so häufig vor, dass zwei Typen mit vollgepackten Tourenrucksäcken unterwegs sind.

Jannik-Preikestolen

Während des Abstiegs bekam Jannik dann einen Anruf von Fjord Line. Unsere Rückfahrt am Freitag Mittag musste erneut aus technischen Gründen abgesagt werden. Doch sofort wurde uns Ersatz angeboten: Samstag Abend um 19:30 Uhr Abfahrt in Stavanger und Sonntag Morgen um 6:30 Uhr Ankunft in Hirtshals. Als Leckerli gab es eine Innenkabine mit Meerblick umsonst obendrauf – wie geil ist das denn?! Von jetzt auf gleich verlängerte sich unsere Tour um zwei Tage. Wir machten uns sofort an die Planung der nächsten Tage!

Eine Dusche im Fjord, der Bynuten und Stavanger

Gut gelaunt verließen wir den Parkplatz des Preikestolen und machten uns auf den Weg zum Dalsnuten, einem 324 m hohen Berg in der Region um Sandnes. Im Vergleich zum Vortag war die Wanderung dort hoch nicht sonderlich spektakulär und das Wetter hätte ebenfalls besser sein können. Dafür haben wir ein wunderschönes Plätzchen für unser Nachtlager gefunden, direkt am Lysefjord gelegen.

Der nächste Morgen (Freitag) startete mit einer Dusche im eiskalten Fjord. Wie kalt das Wasser war, wissen wir nicht genau. Aber definitiv zu kalt! Immerhin ging es frisch geduscht zu unserem nächsten Ziel, dem Bynuten. Mit 671 m ist es der höchste Punkt in Sandnes und eine weitere anstrengende, aber sehr schöne Wanderung. Das Wetter meinte es gut mit uns, sodass wir oben eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt Stavanger genießen konnten.

Panorama-Bynuten-preikestolen

Die Nacht von Freitag auf Samstag und damit unsere letzte Nacht im Zelt verbrachten wir an einem der traumhaft schönen Sandstrände an der Westküste. Samstag Mittag fuhren wir nach Stavanger, um uns die Stadt anzusehen – sehr zu empfehlen. Von dort aus ging auch unsere Fähre am Samstag Abend zurück nach Hirtshals in Dänemark.

Auf der Fähre checkten wir erst mal unsere Kabine mit Meerblick und gönnten uns eine heiße Dusche – es war höchste Zeit. Mit zwei Sixpacks aus dem Duty-Free-Shop bewaffnet, gesellten wir uns zu den anderen trinklustigen Passagieren an Deck und genossen die letzten Stunden in Norwegen. Die Nacht in einem Bett war herrlich, aber die Rückfahrt am nächsten Tag war zum Kotzen – Stau und Fernweh ohne Ende. Wir machten in unserem Party-Auto das Beste aus der Sache, Mickie Krause lässt grüßen.

Zuhause angekommen, fragten Janniks Eltern uns, wie es war. Wir antworteten beide: Wir wollen zurück!

6 Kommentare

  1. Toller Bericht, tolle Fotos! Wir waren vor zwei Jahren dort mit unserem Camper und haben den Preikestolen erobert. Hat Spaß gemacht, Euren Bericht zu lesen!
    LG Nicole

  2. Das liest sich mega Geil an euer Bericht, Jungs. Das bestätigt meinen Wunsch wiederum auch dahin zu reisen. Auf meiner Liste stehen auch noch Irland, Schottland und der Jakobsweg an der spanischen Küste entlang.

    Im übrigen finde ich eure Berichte immer sehr toll. Macht Lust auf mehr.Daumen hoch.

    • Jannik Antworten

      Vielen Dank für dein Feedback, freut uns zu hören 🙂
      Wir können diese Region nur empfehlen, es ist wirklich wunderschön da! Schottland und Irland stehen auf jeden Fall auch noch auf unserer Liste!

      LG Jannik

  3. Wow Jungs, wie cool. Schöner Bericht.
    Am Preikestolen würde ich auch gerne mal übernachten und im Lysefjord baden. War sicherlich ein schöner kurzer Ausflug. Aber wieviel Pech muss man bitte haben, dass zwei Fähren abgesagt werden?
    Liebe Grüße
    Eve

    • Jannik Antworten

      Danke, es war definitiv ein schöner Ausflug! Im Nachhinein sind wir sogar froh, dass die Fähren abgesagt wurden. So hatten wir zwei Tage mehr Zeit 😀 aber klar, wenn man nicht so flexibel ist, ist das schon ziemlich unglücklich

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