Wie stelle ich meinen Trekkingrucksack richtig ein?

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Ein guter Rucksack ist auf einer mehrtägigen Trekkingtour die halbe Miete. Logisch, da ihr eure ganzen Habseligkeiten in ihm transportiert und er für die Tour sozusagen euer „Zuhause“ darstellt. Mindestens genauso wichtig ist es aber auch, dass euer Rucksack bequem ist und die Last, die ihr mit euch schleppt, durch ein vernünftiges Tragesystem kompensiert wird. Denn sonst kann die lang ersehnte Traumtour schnell zur Odyssee werden – verspannte Schultern und Rückenschmerzen lassen grüßen. Damit das Tragesystem aber überhaupt erst zum Tragen kommt (haha Wortwitz) und der Rucksack bequem sitzt, muss er zunächst perfekt eingestellt werden. Wie ihr das am besten macht, erklären wir euch selbstverständlich jetzt!

Die verschiedenen Gurte und ihre Funktionen

Bevor wir euch erklären, wie ihr euren Rucksack richtig einstellt, ist es wichtig zu wissen, welche Gurte bzw. Riemen ein Trekkingrucksack überhaupt hat und was diese bewirken. Prinzipiell ist ein Trekkingrucksack in zwei Bereiche zu unterteilen: einerseits gibt es das Tragesystem, zu dem Hüft-, Schulter- und Brustgurt gehören. Andererseits gibt es den Packsack mit verschiedenen Fächern (Haupt-, Deckel-, Bodenfach), in dem ihr eure Ausrüstung verstaut. Beide Teile werden durch spezielle Riemen miteinander verbunden, die sogenannten Lageverstellriemen. Durch unterschiedliches Justieren der Gurte und Riemen ändern sich auch die Eigenschaften des Rucksacks.

Hüftgurt:

Der wahrscheinlich wichtigste Gurt eines Trekkingrucksacks und auch derjenige, der den Trekkingrucksack von anderen Rucksäcken unterscheidet, ist der Hüftgurt. Immerhin fängt der Hüftgurt ca. 60 bis 70 % der Gesamtlast des Rucksacks ab. Durch Anziehen des Hüftgurts schmiegen sich die Hüftflossen enger an die Hüfte und der Gurt umschlingt den Träger förmlich. Lockert ihr den Hüftgurt, so umfasst er nicht mehr eure Hüfte und der Rucksack rutscht automatisch nach unten. Der Großteil der Last wird dann mittels der Schultergurte über eure Schultern getragen. Das solltet ihr auf Dauer vermeiden, da eure Schultern sonst sehr schnell verspannen. Wichtig ist also, dass der Hüftgurt zu jeder Zeit geschlossen und angezogen bleibt.

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Schultergurte:

Die Schultergurte dürfte wohl jeder noch von seinem alten Schulranzen kennen. Im Prinzip ist es beim Trekkingrucksack nichts Anderes. Vermutlich sind sie etwas besser gepolstert und haben mittlerweile noch weitere nette Funktionen wie z.B. eine Halterung für den Trinkschlauch oder die Sonnenbrille. Aber die Hauptaufgabe der Schultergurte besteht darin, den Rucksack zusammen mit dem Hüftgurt fest am Rücken zu fixieren, indem sie die Schultern u-förmig und bündig umschließen. Durch Anziehen der Schultergurte rückt der Rucksack näher an den Rücken. So sitzt er insgesamt enger und gibt euch mehr Kontrolle. Löst ihr sie, verliert ihr an Kontrolle und der Rucksack wird zum größten Teil nur noch durch den Hüftgurt getragen. Das kann zwischendurch mal gut tun, um die Schultern zu entlasten, aber ihr solltet auch die Schultergurte in der Regel angezogen haben.

Lageverstellriemen:

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Obere Lageverstellriemen

Die Lageverstellriemen sind sowohl am Hüftgurt und am Schultergurt als auch am unteren sowie oberen Teil des Packsacks befestigt und verbinden somit das Tragesystem mit dem Packsack. Durch Anziehen der Riemen rückt der Packsack näher an den Rücken, was gleichzeitig auch den Körperschwerpunkt nahe an den Rücken verschiebt. Das bewirkt mehr Stabilität und Kontrolle über den Rucksack und euer Gleichgewicht ist verbessert. Gerade im schwierigen Gelände solltet ihr die Lageverstellriemen fest angezogen haben, damit ihr mehr Kontrolle über den Rucksack habt. Wenn ihr euch beispielsweise mal ducken müsst oder über Hindernisse steigen müsst, ist das von Vorteil.

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Untere Lageverstellriemen

Im leichten Gelände oder auf ebenen Wegen könnt ihr die Riemen ruhig etwas lockern, um mehr Bewegungsfreiheit zu bekommen. Ihr werdet merken, dass sich der Packsack bei gelockerten Riemen etwas mehr bewegt und ein wenig „schwimmt“. Das kann gerade beim bergab Gehen sehr gut tun und dadurch, dass der Rucksack weiter vom Rücken entfernt ist, habt ihr zusätzlich eine verbesserte Belüftung am Rücken. Aber das ist Geschmacksache. Wir persönlich haben die Lageverstellriemen die meiste Zeit angezogen.

Brustgurt:

Der Brustgurt hat im Prinzip nur eine wichtige Aufgabe: er soll dafür sorgen, dass die Schultergurte permanent ihre Richtige Position behalten und nicht nach außen und so evtl. über die Schultern rutschen. Das kann gerne mal vorkommen, wenn der Rucksack etwas schwerer beladen ist. Sitzen die Schultergurte nicht richtig und bewegen sich permanent, kann das auf Dauer ziemlich nervig sein. Daher solltet ihr auch den Brustgurt stets geschlossen haben, allerdings braucht ihr diesen nicht sonderlich fest anziehen. Zusätzlich könnt ihr am Brustgurt nützliche Dinge wie beispielsweise eine Sonnenbrille oder eine Kappe befestigen.

Wie stelle ich den Rucksack richtig ein?

Nachdem wir nun geklärt haben, welche Funktionen die einzelnen Gurte und Riemen einnehmen, kommen wir jetzt zum spannenden Teil. Wir mögen weder Rückenschmerzen noch verspannte Schultern und wünschen euch das erst recht nicht. Daher erklären wir euch im Folgenden Schritt für Schritt, wie ihr euren Trekkingrucksack optimal einstellt und Rücken und Schultern schont. Falls es trotz unserer weisen Trekkinglife-Tipps immer noch zu Schmerzen kommt, wiegt euer Rucksack entweder 17 Zentner oder eure Rückenmuskulatur ist eher mäßig ausgebildet. Aber das kommt nach ein paar Touren von alleine! Hier kommt die Anleitung:

1. Sämtliche Gurte lösen

Zuallererst solltet ihr euch vergewissern, dass alle Gurte gelöst sind. Nur so könnt ihr den Rucksack individuell auf euch einstellen. Keine Angst, ihr müsst das nicht bei jedem Mal machen, sondern nur anfangs, wenn ihr euren Rucksack zum ersten Mal einstellt.

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Bei so vielen Gurten und Schlaufen kann man schon mal den Überblick verlieren. Wir helfen euch!

2. Rucksack schultern

Habt ihr alle Gurte gelöst, schultert ihr den Rucksack. Das geht bei einem leichten Rucksack noch relativ einfach. Bei einem Rucksack, der für eine Trekkingtour durch Lappland im Winter gepackt ist, sieht das schon anders aus. Wie schultert ihr den Rucksack am besten? Mit Schwung! Oder ihr sucht euch eine Ablage oder einen Tisch, auf dem ihr den Rucksack abstellen könnt.

3. Immer (!!) mit dem Hüftgurt anfangen

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Tipp: Etwas nach vorne lehnen

Wie bereits erwähnt, werden ungefähr 60 bis 70 % der Gesamtlast des Rucksacks über die Hüfte getragen. Daher ist es wichtig, dass dieser Gurt als erstes geschlossen wird, damit die Last sich auf die Hüfte verteilen kann. Gerade bei einem schweren Rucksack solltet ihr euch etwas nach vorne lehnen, damit der Rucksack besser auf dem Rücken aufliegt. So könnt ihr euch auch die Hüftflossen besser positionieren. Diese sollten nämlich genau mittig über dem Hüftknochen liegen (siehe Bild). Der Hüftknochen ist relativ markant und sollte einfach zu ertasten sein. Habt ihr die Position gefunden, schließt ihr den Hüftgurt und zieht ihn fest an.

4. Schultergurte festziehen

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Bündig umschlossen

Als nächstes sind die Schultergurte an der Reihe. Hier ist es etwas einfacher, da die Schultergurte quasi von alleine aufliegen und ihr ihre Position nicht verändern können. Zieht die Gurte zunächst richtig fest an, damit die Schultern bündig umschlossen werden. Jetzt werdet ihr vermutlichen merken, wie sich das Gewicht von eurer Hüfte auf die Schultern verlagert. Keine Angst, das ändern wir später wieder, aber erst einmal ist das richtig so.

5. Lageverstellriemen anziehen

Noch ist der Packsack eures Rucksacks relativ weit von eurem Rücken entfernt und schwimmt ein wenig hin und her. Daher zieht ihr sowohl die unteren als auch die oberen Lageverstellriemen an, damit der Packsack näher in Richtung Rücken rutscht. So verschiebt sich auch der Schwerpunkt näher an euren Rücken und der Rucksack zieht euch nicht mehr so stark nach hinten bzw. unten.

6. Brustgurt schließen

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Gurt sitzt fest auf der Hühnerbrust

Habt ihr die Lageverstellriemen etwas angezogen, schließt ihr den Brustgurt. Dieser muss nicht besonders fest angezogen werden, da er lediglich das „Nach-Außen-Rutschen“ der Schultergurte verhindern soll. So ist gewährleistet, dass sich die Schultergurte während der Bewegung nicht verschieben und der Rucksack stets festen Halt hat.

7. Schultergurte etwas lockern

Dieser Punkt ist essenziell! Nachdem ihr die Schultergurte richtig fest angezogen habt, lockert ihr diese nun ein wenig. Ihr werdet merken, wie sich das Gewicht des Rucksacks von den Schultern wieder auf die Hüfte verlagert. Und das ist ganz wichtig! Euer Rucksack sinkt etwas ab bis er von eurer Hüfte aufgegangen wird. Lockert ihr die Schultergurte nicht, werden das eure Schultern euch nicht danken und sich im Handumdrehen verspannen – wird gerne schon einmal vergessen.

Perfekt eingestellt für die nächste Tour

Beherzigt ihr diese Schritte beim Einstellen eures Rucksacks, kann bei der nächsten Trekkingtouren nichts mehr schief gehen! Natürlich braucht ihr nicht bei jedem Auf- und Absetzen den Rucksack komplett neu einstellen. Es reicht aus, wenn ihr Schulter- und Hüftgurt vor dem Ausziehen des Rucksacks etwas lockert und diese nach dem nächsten Anziehen erneut festzieht.

Bei längeren Touren empfehlen wir ein bisschen mit Schultergurten und Lageverstellriemen zu spielen, um die Gewichtsverteilung zu variieren. Zieht ihr die Schultergurte beispielsweise fest an, kann sich auch mal die Hüfte ein bisschen entspannen. Lockert ihr die Schultergurte extrem, so liegt die Last fast komplett auf der Hüfte und die Schultern können sich ausruhen. Wichtig ist nur, dass der Hüftgurt zu jeder Zeit geschlossen und fest angezogen bleibt! In diesem Sinne wünschen wir euch viel Spaß auf eurer nächsten Tour und vor allem keine Rückenschmerzen!

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Hier gibt es die Anleitung nochmal als Kurzübersicht:

  1. Sämtliche Gurte lösen
  2. Rucksack schultern
  3. Immer (!!) mit Hüftgurt anfangen
  4. Schultergurte anziehen
  5. Lageverstellriemen anziehen
  6. Brustgurt schließen
  7. Schultergurte etwas lockern

Falls ihr die Anleitung im bewegten Bild sehen möchtet, empfehlen wir euch das Video von Kai Sackmann auf YouTube.


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