Eine Wanderung auf die Zugspitze – der höchste Berg Deutschlands! Von Garmisch-Patenkirchen durch die Partnachklamm und das Reintal führte mich die längste, aber auch einfachste Route auf die Zugspitze. Aber Vorsicht: zu unterschätzen ist diese Variante aufgrund der Länge und Höhenmeter nicht! Die Ruhe vor dem Sturm auf dem Gipfel konnte ich bei dieser wunderschönen Wanderung auf die Zugspitze bei perfektem Wetter genießen. Die Ruhe vor dem Sturm?

wanderung-auf-die-Zugspitze-Ausblick-Schnee

Ja, denn „Top of Germany“ klingt natürlich erst einmal gut. Aber man kann die Wanderung auch umgehen, da summt doch noch etwas im Hintergrund: mit der Bergseilbahn innerhalb von 15 Minuten zum Gipfel – und zwar von der deutschen Seite und der österreichischen Seite – Souvenirläden, Cafés, Restaurants und und und… Richtig, dachte ich mir zu Beginn auch.

Aber wer die Menschenmassen am Gipfel für ein paar Minuten ignorieren oder sogar drüber schmunzeln kann und sich seine Brotzeit selbst mitbringt, kann eine wunderschöne Wanderung auf Deutschlands höchsten Berg erleben. Aber eins nach dem anderen…

Eine weitere Tour hinauf zum Gipfel ist die Tour auf die Zugspitze durch das Höllental.


Details zur Wanderung auf die Zugspitze

Länge: 21,2 km

Dauer: 8 – 10 h

Höhenmeter: ↑2210 hm und ↓0 hm


Ein Tag zuvor: Der Eibsee

Bevor ich mit der Wanderung auf die Zugspitze starte, möchte ich euch eines nicht vorenthalten: den Eibsee. Wieso? Schaut eich einfach die Bilder weiter unten an – traumhaft schön! Zugegeben, ich habe echt extrem Glück mit dem Wetter gehabt, aber das kennen wir bei Trekkinglife ja. Darin sind wir besonders gut.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Ziemlich erschöpft bin ich an einem Donnerstag aus München eingetroffen. In München war ich die Woche zuvor beruflich (Gregory) auf der Outdoor by ISPO. Thomas war für Trekkinglife am Start und war selbstverständlich auch fleißig. Hier stellt er euch die Outdoor-Neuheiten 2020 für die kommende Saison vor und wie die Messe aus Bloggersicht so lief, könnt ihr hier nachlesen.

Nach der Arbeitszeit auf der Messe entschied ich mich also mit dem Flixbus runter nach Garmisch-Partenkirchen zu fahren. Bietet sich echt an, die Fahrt dauert nur 1 1/2 Stunden und kostet ungefähr 5-10€, je nachdem wann ihr runter fahrt und wie voll der Bus ist.

Endlich in der Natur angekommen

Oder erst einmal am Campingplatz. Ich habe mich für den Campingplatz „Camping Erlebnis Zugspitze“ entschieden, der etwas außerhalb in Schmölz liegt, aber viel mehr Auswahl blieb mir auch nicht. Die meisten Unterkünfte sind direkt in Garmisch selbst zu finden und teurer als ein Campingplatz. Der Campingplatz ist aber wirklich sehr schön und liegt auf direktem Weg zum Eibsee.

Für die Wanderung auf die Zugspitze muss man allerdings wieder nach Garmisch reinfahren, aber dazu später mehr. Wer nur ein bisschen auf dem Campingplatz entspannen will, kein Problem. Bei dem Blick:

Akklimatisieren am Eibsee

Da ich schon früh morgens angekommen bin, um mir den besten Lagerplatz zu sichern, hatte ich noch viel vom Tag. Gedanken habe ich mir natürlich keine gemacht – Klassiker. Eine große Wanderung wollte ich vor der Tour auf die Zugspitze sowieso nicht machen, aber ein bisschen Bewegung, um warm zu werden musste drin sein und zum Eibsee war es ja nicht weit. Daher fiel die Entscheidung leicht und sie war gut!

Mit dem Bus wird man problemlos bis kurz vor das Ufer gefahren und kann dann den 7,2 km langen Rundweg am Eibsee angehen. Oder sich einfach irgendwo bequem ans Ufer legen und den wunderschönen Ausblick über den Eibsee zur Zugspitze genießen. Ich habe beides gemacht.

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Kleiner Tipp am Rande: Viele Leute legen sich direkt unmittelbar am Anfang ans Ufer. Lauft einfach ein paar Kilometer weiter, dann wird es schnell leerer. Es gehen immer wieder kleine Abzweigungen vom sehr breiten Hauptweg ab. Einfach ab und zu einmal runter schauen und schon habt ihr euren privaten Platz zum Chillen. Noch besser Tipp am Rande: Nehmt Sonnencreme mit und benutzt sie auch!

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Energie tanken und zurück zum Campingplatz

Der Rundweg dauert – wenn man sich nicht allzu lange die schöne Natur anschaut – nicht sehr lange und man ist schnell wieder zurück am Startpunkt. Dort gibt es auch einen Biergarten und die Möglichkeit etwas zu essen – habe ich natürlich sowohl als auch wahrgenommen. Bei knappen 30 Grad natürlich eine willkommene Erfrischung, das kühle Blonde. Dann ging es auch schon wieder mit dem Bus zurück zum Campingplatz und relativ schnell ab in die Falle. Der nächste Tag sollte mit der Wanderung auf die Zugspitze sehr anstrengend werden.

Los geht’s: Wandern auf die Zugspitze!

Um 6 Uhr klingelt der Wecker – früher ging nicht, weil die Busse leider erst dann fahren. Der Startpunkt für die Wanderung auf die Zugspitze, den ich gewählt habe, befindet sich nämlich an der großen Olympiaschanze, die in Garmisch selbst liegt. Ich habe mich entschieden die einfachste, aber gleichzeitig auch längste Route auf die Zugspitze zu wandern: 21,2 km und 2210 hm durch die Partnachklamm, weiter entlang der Partnach durchs Reintal und über das Zugspitzplatt hoch zur Zugspitze. Je nach Kondition solltet ihr 8 – 10 Stunden dafür einplanen.

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Unterschätzt die „einfache“ Variante nicht

Da ich insgesamt nur 2 Tage vor Ort war und auch alleine unterwegs, habe ich mich dazu entschieden sämtliche Klettereien zu umgehen. Eins kann ich euch jetzt schon sagen: es mag zwar die (technisch) einfachste Variante sein, aber einfach ist die Tour ganz und gar nicht, also unterschätzt es nicht. Denn der Anfangsteil ist zwar echt entspannt und schön zu laufen, aber die letzten 1000 hm absolviert man auf 4 km Wegstrecke – das zieht nochmal!

Wandern durch die Partnachklamm

Der Anfang der Tour ist traumhaft schön! Von der großen Olympiaschanze lauft ihr geradewegs auf die Partnachklamm zu. Achtung: Mittlerweile gibt es Öffnungszeiten und ihr müsst Eintritt zahlen. Plant das dementsprechend ein. Weitere Infos zur Partnachklamm findet ihr hier.

Ihr könnt die Partnachklamm aber auch über die „Eiserne Brücke“ und später den „hohen Weg“ umgehen.  Habt ihr die Partnachklamm jedoch noch nicht gesehen, würde ich euch den Umweg nicht empfehlen – es ist traumhaft schön! Insgesamt 700 Meter schlängelt sich die Partnach durch das Gestein ehe man den Einlauf der Partnachklamm erreicht. Der Weg ist selbstverständlich sehr gut gesichert und völlig ungefährlich.

Und weiter durch das Reintal

Vom Einlauf der Klamm aus geht es auf einem breiten Wirtschaftsweg weiter immer entlang der Partnach. Hier könnt ihr richtig Strecke machen. Nach kurzer Zeit erreicht ihr die Partnachalm, sofern ihr die Abzweigung trefft. Ich hab diese wohl übersehen und bin den Alternativweg gelaufen – wieder ein Klassiker.

Nach ungefähr zwei Stunden erreicht ihr dann die Bockhütte, die im Sommer angeblich bewirtschaftet sein soll. Als ich dort vorbei gelaufen bin, sah die Hütte eher geschlossen als einladend aus. Nichtsdestotrotz ist dieses Stück des Weges extrem schön. Kurz vor der Hütte überquert ihr die Partnach und wandert auf der anderen Seite ganz dicht am Ufer entlang durch das Reintal. Das türkis-blaue Wasser immer an eurer Seite.

Der Weg verläuft dann durch ein kleines Waldstück und spendet euch bei prallem Sonnenschein angenehmen Schatten. Für mich kam das Stück an dem Tag wie gerufen – der Lorenz hat mal wieder alles gegeben und verbrannt hatte ich mich am Tag zuvor schon. Auf Verdacht trotzdem noch einmal etwas Sonnenmilch nachgegossen – geholfen hat es am Ende des Tages nicht! Nach ca. 4 km durch das Waldstück erreicht ihr die Reintalangerhütte. Hier könnt ihr euch noch einmal stärken und euer Wasser auffüllen, bevor die Wanderung auf die Zugspitze richtig losgeht.

Die Wanderung auf die Zugspitze wird anstrengend

Nach der Reintalangerhütte geht es nämlich steil bergauf und steil bergab mit der Kondition. Der Weg aus dem schönen kühlen Wald führt in ein offenes, helles und bei Sonne einer Sauna ähnelndes Geröllfeld. Zu dem Zeitpunkt habt ihr bereits ca. 13,5 km der insgesamt 21 km absolviert, verbleiben also nur noch knappe 7,5 km. Allerdings müsst ihr dafür noch ganze 1600 hm machen – das nur als kleines Zwischenfazit.

Der farbenfrohe Weg aus Grün- und Blautönen, auf dem ihr vorher geschwebt seid, geht in einen grauen Steig über, auf dem ihr nur noch Fuß vor Fuß setzt, um voranzukommen. Aber wenn ihr euch ab und zu einmal umdreht, werdet ihr mit einem wunderschönen Ausblick auf das Reintal und den umliegenden Bergen des Wettersteingebirges belohnt. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt das Vergnügen und die Ehre mit Bernd zu wandern. Bernd ist 65 Jahre alt, kennt die Berge hier in- und auswendig und ist das gleiche Tempo gelaufen wie ich. Der Witz an der Sache: Bernd hat 2 künstliche Hüftgelenke – genialer Typ!

Über die Knorrhütte bis zur (Zug)spitze

Nachdem ihr euch durch das Geröllfeld gekämpft hat, erscheint am Horizont nochmal die letzte Anlaufstelle vor dem Gipfel – die Knorrhütte. Auch hier könnt ihr euer Wasser auffüllen oder eine Stärkung zu euch nehmen. Außerdem gibt es hier auch die Möglichkeit zu übernachten. Für mich fiel die Pause hier eher kurz aus – Bernd hatte ein gutes Tempo drauf.

Nach der Knorrhütte geht es über das Zugspitzplatt und mehreren Schneefeldern immer weiter hinauf in Richtung Gipfel. 4 km Wegstrecke und 1000 hm sind hier noch zu absolvieren.

An der Stelle: Prüft vorher auf jeden Fall die Schneeverhältnisse in den Bergen und informiert euch. Es kann immer sein, dass zu viel Schnee liegt bzw. Dieser vereist ist und ihr entsprechende Ausrüstung benötigt.

Nach einiger Zeit solltet ihr bei guter Sicht in der Ferne einen steilen Anstieg erkennen, auf dem kleine Punkte zu sehen sind. Diese kleinen Punkte sind Menschen und der Anstieg ist die letzte Anstrengung bevor ihr den Gipfel erreicht. 2 Meter vorwärts kämpfen, 1 Meter zurück rutschen ist hier die Devise. Denn ihr lauft über ein Geröllfeld bestehend aus kleinen Steinen. Das gibt euch nochmal den Rest. Wer sich den Weg sparen will, kann auch die Gletscherbahn Sonnalpin nehmen. Nach dem Weg kam das für mich natürlich nicht in Frage.

wanderung-auf-die-Zugspitze-Sonnalpin-Gletscherbahn

Ziemlich erschöpft aber glücklich bin ich dann nach knapp 7,5 Stunden Wanderung auf Deutschlands höchstem Berg angekommen bzw. ich wurde zuerst von den Massen an Touristen an der Seilbahnstation in Empfang genommen. Leute in schicker Kleidung und Flipflops, die mich angeguckt haben als wäre ich der letzte Heckenpenner. Aber so ist das eben, wenn zwei hochmoderne Seilbahnen die Menschen innerhalb von 10 Minuten auf den Berg katapultieren und dabei knapp 2000 Höhenmeter überwinden.

Kurz zum Gipfelkreuz und wieder runter

Um auf den richtigen Gipfel zu gelangen, müsst ihr euch nämlich erst durch die Seilbahnstation wuseln bis ihr ein Stockwerk tiefer gehen könnt. Ein Tor trennt dort den „echten“ Gipfel von der Seilbahnstation. Hier braucht ihr jetzt Geduld, denn natürlich wollen nicht nur die Wanderer, die den Weg zu Fuß absolviert haben, zum Gipfelkreuz, sondern auch die Seilbahnfahrer. Dementsprechend lange kann der 20 Meter lange Weg schon dauern, aber es ist auch etwas Kletterei gefordert. Kurz ein Gipfelfoto und wieder zurück zur Station.

Dort habe ich dann auch Bernd wieder getroffen, dem ich beim letzten Anstieg ein bisschen voraus geeilt war. Zusammen haben wir uns dann noch die mitgenommene Brotzeit gegönnt und sind anschließend mit der Seilbahn runter zum Eibsee gefahren – 35€ kostet die Fahrt, nur runter versteht sich…

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Fazit zur Wanderung auf die Zugspitze

Wie eingangs erwähnt hatte ich keine allzu großen Erwartungen an die Zugspitze. Gerade, weil es mittlerweile so einfach ist auf den Gipfel zu gelangen. Aber der Weg dorthin ist wirklich wunderschön und hat mich positiv überrascht, auch wenn er – gerade zum Ende hin – sehr anspruchsvoll wird. Ihr solltet auf jeden Fall eine gewisse Grundkondition mitbringen (meine Serie Training zum Wandern hilft euch dabei) und keine blutigen Anfänger sein. Oder ihr splittet die Tour in zwei Tage auf und übernachtet eine Nacht auf einer der Hütten, die direkt auf dem Weg liegen.

Landschaftlich ist die Tour nur zu empfehlen und auch der Verkehr auf dem Weg selbst hielt sich absolut in Grenzen. Allerdings habe ich auch einen sehr guten Tag erwischt, da das Wetter einerseits richtig gut war und andererseits echt wenig Menschen unterwegs waren – selbst am Gipfel. Das hat mir zumindest Bernd erzählt, der es mit seiner Erfahrung wissen muss und eine sehr nette Begleitung war. Auch in der Sicht hatte ich Glück!

Kleiner Ausblick: die Zugspitze kann auch über den Höllentalferner – den einzigen deutschen Gletscher mit einer „Gletscherzunge“ – und einen Klettersteig erreicht werden. Dies Tour auf die Zugspitze durch das Höllental hat Thomas im September gemacht.

Hier findet ihr weitere Wanderungen in den Alpen.


Zur Wanderung auf die Zugspitze habe ich außerdem ein Video gedreht, das nochmal genauer den Weg und vor allem meine persönliche Gefühlslage dabei dokumentiert. Kurz vor dem Gipfel merkt man doch schon, dass die Luft etwas dünn wurde und ich nicht bestens auf die Tour vorbereitet war:

Wanderung Zugspitze – Über Partnachklamm und Reintal
Autor

Es ist noch gar nicht lange her als ich das Wandern für mich entdeckt habe. Meine erste Fernwanderung war der Eifelsteig, die ihr hier auf dem Blog übrigens auch nachlesen könnt. Das war zeitgleich auch der Startschuss für Trekkinglife. Doch naturverbunden war ich schon immer, was ich meinen Eltern zu verdanken habe. Die ersten Urlaube meines Lebens gingen stets in Richtung Norden nach Skandinavien. Daher kommt vermutlich auch meine Begeisterung für die skandinavischen Länder.

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